„Vom Siegespodest auf den OP-Tisch“, das war die letzte Schlagzeile im Februar, die über mich in der in der Zeitung zu lesen war. Wenn ich damals in die Zukunft hätte blicken können, hätte ich den Lauf noch viel mehr genossen und die letzten Laufkilometer viel mehr ausgekostet, auch wenn sie nicht mehr ganz schmerzfrei waren. Ein Schneiderballen, auch digitus quintus varus genannt, an meinem linken Fuß, war die Ursache für meine Schmerzen in sämtlichen Schuhen. Vor 10 Jahren wurde mir dieser bereits am rechten Fuß korrigiert, somit wusste ich in etwa, was auf mich zukommen würde.

Über meinen Hausarzt kam ich zu Sportorthopäden und orthopädischen Chirurg Dr. Niklas Schreiner, der mich bereits am 23.02. 2017 operierte. Aufgrund einer Lokalanästhesie ab dem Unterschenkel konnte ich bei der kompletten OP „anwesend“ sein und wurde im LKH Amstetten bestens betreut. Die OP verlief gut und nach einer Nacht im Krankenhaus durfte ich auch schon wieder, wenn auch etwas wackelig, auf zwei Beinen nach Hause gehen.

Ein spezieller Verbandsschuh sollte mich von nun an vier Wochen begleiten.

Anfangs stand viel Ruhe und möglichst wenig Bewegung auf dem Programm, um die Naht nicht unnötig zu belasten. Zu Hause bei den Eltern war ich die ersten Tage gut aufgehoben und konnte diese Ruhe sogar ein wenig genießen. Nach wenigen Tagen integrierte ich Stabi und Krafttraining in mein Rehabilitationsprogramm, was nicht nur meinem Körper sondern auch dem Gemüt sehr gut tat. Nach einer Woche Krankenstand humpelte ich wieder von Klassenzimmer zu Klassenzimmer und am Nachmittag auch von Gerät zu Gerät im Fitnessstudio. „Hey Limpy“, begrüßte mich unser Native Speaker an der Schule und so war auch ein passender Spitzname für mich geboren. (Anm. to limp = humpeln) Der sportlichen Wundheilung sei Dank konnten die Fäden bald gezogen und somit auch der Ergometer ins Training integriert werden. Endlich wieder schwitzen! Unsportliche Personen denken sich vermutlich, „die spinnt“, aber für eine Ausdauersportlerin wie mich ist es das schönste, sich im Training richtig auspowern zu können, von dem ich aber zu diesem Zeitpunkt auch noch weit weg war.

Pünktlich vier Wochen nach der OP kam der Verbandsschuh weg und es wurden auch die linken Schuhe wieder aus dem Kasten geräumt. Auch wenn der Knochen gut zusammengewachsen war, war das Tragen von normalen Schuhen zu Beginn sehr ungewohnt und unangenehm. Auch den humpelnden Gang bekam ich nur mit sehr viel Disziplin und Übung wieder weg.

Nach einem letzten Check bei Dr. Niklas Schreiner stand nun der nächste Test an. Nach einigen Wochen am Rad und auch viel Training im Wasser schnürte ich Ende März zum ersten Mal wieder die Laufschuhe. Sehr unsicher, aber schmerzfrei freute ich mich über 5 km joggen. „Ich bin zurück“, dachte ich, „von nun an geht’s bergauf, bald kann ich wieder gut trainieren und nach Ostern in die WK-Saison einsteigen!“ Aber wie heißt es so schön: Erstens kommt alles anders, und zweitens als man denkt.

Nach den ersten paar lockeren kurzen Läufen fing es an der Achillessehne zu schmerzen an. „Ach was solls“, dachte ich mir, „nach so langer Zeit mit diesem komischen Schuh muss sich der Fuß erst wieder an das Laufen gewöhnen“ und ich trainierte weiter. Nach wenigen Tagen war aber an Laufen nicht mehr zu denken. Schon beim Anziehen der Schuhe machte sich der Schmerz hinten an der Sehne bemerkbar.

Einige Tuben Voltaren, einigen Stunden Fußgymnastik und viel Alternativtraining am Rad und im Wasser später war der Schmerz zwar besser, aber immer noch da. „Eine entzündete Sehne fühlt sich anders an“, meinte mein Physio, was mich positiv stimmte. Das Ostertrainingslager mit einer tollen Laufgruppe aus Graz wurde für mich leider zur Rad- und Schwimmwoche. Trotzdem konnte ich dort nette Leute kennenlernen und bin sehr dankbar für einige sonnige Tage in Porec.

Mit vielen Rad- und Schwimmkilometern im Gepäck wieder zu Hause angekommen ging es auch gleich zum MRT, welches vorerst Klarheit brachte. Diagnose: leichte (diskrete) Achillessehnenentzündung. Es folgte der erste Lichtblick: Die Infrarotlampe! Die Bestrahlungen linderten meine Schmerzen deutlich. „Yes, bald geht’s wieder los“, freute ich mich über den Fortschritt. Im Mai konnte ich tatsächlich die ersten kurzen Läufe absolvieren, zwar nicht komplett schmerzfrei, aber deutlich besser als noch im April. Jeder Kilometer machte mir Spaß, aber es war eine Gratwanderung, denn ein Kilometer zu viel oder zu schnell und schon war es wieder vorbei mit Laufen. Einzig das Barfußlaufen machte mir keine Probleme. Als ich das meinen Arzt erzählte meinte er, dass gerade Laufen ohne Schuhe bei Achillessehnenentzündungen am schmerzhaftesten sein müsste. Das Rätsel rund um meine Sehne wurde also immer größer. Als ich nun auch Mitte Mai immer noch höhere Schwimm- als Laufumfänge in der Woche zu verzeichnen hatte, war meine Geduld am Ende. Eine Stoßwellentherapie musste her. Diese wird in erster Linie bei sehr therapieresistenten Achillessehnen angewendet, wo meine anscheinend auch schon dazugehört. Sehr groß war die Angst vor einer chronischen Achillodynie (Achillessehnenentzündung). Dauernd erzählte man mir furchtbare Schauergeschichten von jahrelangen Entzündungen bis hin zum Achillessehnenriss. „Scheiße, hoffentlich ist das nicht schon chronisch“, dachte ich mir und wurde somit immer unsicherer, was sich auch auf mein Gemüt nicht gerade positiv auswirkte.

„Eine Sehne bei Achillodynie sieht anders aus“, meint nun auch Dr. Niklas Schreiner, als ich ihm mein Leid klagte und er betonte, dass er bei Nicht-Sportler eine Stoßwellentherapie in meinem Fall nicht durchführen würde. Die Therapie hielt aber, was sie versprach und zwar eine Schmerzlinderung. „Endlich habe ich etwas gefunden, was hilft“, freute ich mich über die erneuerte Besserung. Nach drei Therapien konnte ich im Juni mein Lauftraining endlich wieder aufnehmen. Läufe bis zu einer Stunde und kurze Intervalle waren wieder problemlos möglich. Ich war happy und super motiviert. Leider nur für wenige Tage, denn ein Tag in festerem Schuhwerk mit anschließendem Lauf und da waren sie wieder, die Schmerzen.

Ich war mit meinem Latein am Ende und nicht nur ich, auch sämtliche Ärzte und Therapeuten aus meiner Umgebung konnten sich die Schmerzen nicht mehr ganz erklären. „So a Achillessehnenentzündung is eben a langwierige Sache“, bekam ich immer öfter als Antwort, mit der ich mich aber irgendwie nicht abfinden konnte. Ich trug wochenlang nur Flipflops und Sandalen, lief so gut wie gar nichts, machte jeden Tag meine Übungen zur Stärkung der Achillessehne. Nein, ich konnte mit der Tatsache, dass sich keine deutliche Verbesserung einstellte, nicht leben.

Die letzten Hoffnungen setzte ich nun in einen Besuch bei meiner Physiotherapeutin in Wien, die mir schon mehrmals bei verschiedensten Problemen geholfen hatte.

Auch sie schloss eine Achillodynie sofort aus. Ihr Blick galt meiner großen Zehe und in weiterer Folge der Plantarfaszie. Ein Ausstreichen dieser war so gut wie gar nicht und nur unter extrem starken Schmerzen möglich. „Da haben wirs“, meinte sie grinsend. Sie hielt mir einen Golfball hin und meinte „da stellst dich jetzt drauf und arbeitest so richtig in die Faszie hinein“, puh, mir blieb die Luft weg. Nach einer Stunde Folter verpasste sie mir noch ein Tape zur Korrektur meiner Zehe und meinte „schau mal wie’s da damit geht“. Seitdem „massiere“ ich mit einem kleinen Ball täglich meine Plantarfaszie, was mittlerweile nicht mehr ganz so schmerzhaft ist. Bereits nach 3 Tagen konnte ich wieder kurze schmerzfreie Läufe absolvieren und auch nach kleinen Umfang- und Intensitätssteigerungen machte die Achillessehne keine Probleme mehr.

Es waren lange, schwierige Monate, die mir gezeigt haben, wie wertvoll die Gesundheit ist und wie glücklich man sich schätzen kann, wenn man in der Lage ist, sein tägliches Trainingspensum schmerzfrei zu absolvieren.

Die Verletzung hat mir wieder bestätigt, wie komplex unser Körper ist und wie schwer es sein kann, den Auslöser für Schmerzen zu finden.

Ich möchte mich nun als erstes bei meinen Eltern, aber auch bei allen Freunden bedanken, die immer für mich da waren und mich in der ein oder anderen scheinbar aussichtslosen Situation wieder aufgerichtet haben.

Danke auch an meinen Physio Andi Rieder, meine Masseure Reinhard Gruber und Didi Zeitlhofer und meinen Hausarzt Dr. Thomas Huemer. Ihr habt nach meiner OP tolle Arbeit geleistet.

Ein herzliches Dankeschön auch an Dr. Niklas Schreiner, der innerhalb kürzester Zeit eine OP-Termin für mich organisiert und meinen Schneiderballen perfekt korrigiert hat, sodass er nun keinerlei Probleme mehr bereitet.

Danke an meinen Trainer Heinz Planitzer. Er hat meine Trainingspläne immer an meine aktuellen körperlichen Möglichkeiten angepasst. Nur so war es möglich, auch ohne Lauftraining eine gute Form für den Sommer zu erarbeiten.

Mein letzter Dank gilt der wohl besten Physiotherapeutin, die ich kenne. Ohne Lisa Riegler, die jede Faszie in unserem Körper kennt und quält, könnte ich wahrscheinlich immer noch nicht schmerzfrei laufen.

 

Vielen Dank!